Wenn Politik an der Praxis vorbeigeht: Der Fall Digiflux

«Digiflux hat uns in den vergangenen zwei Jahren beschäftigt und wird es auch dieses Jahr tun», sagt FDP-Ständerätin Johanna Gapany, Präsidentin der Lohnunternehmer. So ist es. Wir haben den Verlauf zusammengefasst.

 In den vergangenen zwei Jahren hat sich der Verband Lohnunternehmer Schweiz intensiv mit der geplanten Einführung von Digiflux auseinandergesetzt. Im Zentrum standen dabei sowohl die inhaltliche Beurteilung des Systems als auch die Zusammenarbeit mit weiteren Verbänden, parlamentarischen Akteuren und Institutionen, um auf eine praxistaugliche Umsetzung hinzuwirken.

Ausgangslage Januar 2024

Bereits in einer frühen Phase brachte sich der Verband aktiv in den Entwicklungsprozess von Digiflux ein. Dazu gehörten die Sensibilisierung der Betriebe über Fachinformationen, der direkte Austausch mit dem Projektleiter des Bundesamtes für Landwirtschaft, Johannes Hunkeler, sowie die Mitwirkung im Fachausschuss.

Gegenüber dem Bundesamt für Landwirtschaft wurde früh festgehalten, dass eine praxistaugliche Umsetzung zwingend ist. Kritisiert wurden insbesondere die vorgesehene georeferenzierte Erfassung von Pflanzenschutzanwendungen, die fehlende Alltagstauglichkeit, hohe technische und finanzielle Anpassungskosten sowie offene Fragen beim Datenschutz.


Inhaltliche Zuspitzung im Jahr 2025

Im Verlauf des Jahres 2025 verdichtete sich die Kritik an Digiflux sowohl fachlich als auch politisch. In der Auseinandersetzung um die Motion Kolly wurde hervorgehoben, dass die Meldepflicht zwar zusätzliche Daten erzeugt, daraus jedoch nicht automatisch eine wirksame Reduktion beim Pflanzenschutz resultiert.

Weiter wurde argumentiert, dass Messwerte von zahlreichen Faktoren wie Witterung oder Vegetationsstadium abhängen und deshalb nur beschränkt aussagekräftig sind. Aus Sicht der Praxis droht damit ein Kontroll- und Überwachungssystem, das viel Aufwand verursacht, ohne einen entsprechenden Nutzen für Umwelt oder Betriebe zu schaffen.


Zusammenarbeit und politische Aktivitäten


Der Verband verfolgte seine Anliegen nicht isoliert, sondern im Austausch mit weiteren Verbänden, Praxisorganisationen und politischen Entscheidungsträgern. Unterstützt wurden insbesondere Bestrebungen, die Meldepflicht auf Betriebsebene zu vereinfachen, die Parzellenerfassung nicht zwingend vorzuschreiben, Doppelerfassungen zu vermeiden und die Datensouveränität sicherzustellen.

Ein wesentliches Anliegen war zudem, dass nicht nur Landwirtschaftsbetriebe, sondern die gesamte betroffene Wertschöpfungskette berücksichtigt wird. Für Lohnunternehmen, KMU, Gartenbau, Forstwirtschaft und weitere Partnerbetriebe ist zentral, dass neue Vorgaben technisch umsetzbar, verhältnismässig und mit bestehenden Systemen kompatibel bleiben.

Mit zwei Schreiben an die WAK S hat der Verband die Ständeräte auf diese Problematik aufmerksam gemacht und versucht, die Problematik darzulegen beziehungsweise zu sensibilisieren – zuletzt am 30. April 2026.

Politischer Stand im Mai 2026

Am 6. Mai 2026 kam es zu einem politischen Rückschlag. Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerates beantragte mit fünf zu drei Stimmen bei fünf Enthaltungen, der parlamentarischen Initiative Stark 25.451 und der identischen Berner Standesinitiative 25.305 keine Folge zu geben.

Aus Sicht der beteiligten Praxisorganisationen ist dieser Entscheid besonders problematisch, weil die hohe Zahl an Enthaltungen darauf hindeutet, dass die Schwierigkeiten von Digiflux erkannt werden, ein klarer politischer Korrekturentscheid jedoch ausblieb. Damit bleibt ein System im Raum, das in seiner heutigen Ausgestaltung als überladen, kostenintensiv und praxisfern wahrgenommen wird.


Aktueller Stand


Digiflux ist für viele Betriebe inzwischen zum Symbol einer Agrarpolitik geworden, in der die Balance zwischen politischen Zielsetzungen und praktischer Umsetzbarkeit verloren zu gehen droht. Die Bedenken betreffen nicht nur den zusätzlichen administrativen Aufwand, sondern auch Wettbewerbsnachteile gegenüber ausländischen Anbietern, unnötige Doppelspurigkeiten und langfristige Risiken für die inländische Produktion.


Der Verband Lohnunternehmer Schweiz setzt sich deshalb weiterhin gemeinsam mit weiteren Verbänden und Institutionen dafür ein, dass die Anliegen der Praxis im parlamentarischen Prozess ernst genommen werden. Im Vordergrund stehen eine verhältnismässige Umsetzung, kompatible Systeme, Rechtssicherheit, Datensouveränität und eine deutliche Begrenzung unnötiger Bürokratie. Unsere Mitglieder fordern wir aktiv zur Unterstützung auf, ihre Vertreter vor Ort für diese Abstimmung zu sensibilisieren.

 

 

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