Die Erleichterung über die diesjährige Bilanz ist gross: Insgesamt wurden 403’400 Tonnen backfähiges Brotgetreide geerntet – das sind 77 Prozent mehr als 2024 und 26 Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt.
Präsident Fritz Glauser (Swiss Granum) betonte, 2024 sei das schwierigste Jahr seit Jahrzehnten gewesen. Umso grösser sei die Freude über den sonnigen Frühling 2025, der die besten Voraussetzungen für hohe Erträge schuf. Die guten Erträge sichern die inländische Versorgung bis 2026.
Die wachsende Spannung: Produzieren zwischen Extremen
Pierre-Yves Perrin, Geschäftsführer des Schweizerischen Getreideproduzentenverbands (SGPV), beschreibt das Grundproblem als ständig zunehmenden Interessenkonflikt: Konsumenten möchten lokale, günstige und nachhaltige Produkte, während die Politik Inputs begrenzt und der Markt Höchstqualitäten verlangt.
Diese hohen Erwartungen treffen auf dem Betrieb mit Wetterextremen, engen Düngungslimits und volatilen Preisen zusammen.
Im Fokus der Tagung stand auch der Bedarf nach besserer Sorten- und Qualitätssegmentierung. Steve Corminboeuf (VKGS) betonte, dass die Infrastruktur der Sammelstellen an ihre Grenzen stosse: Zulassungs- und Kategorisierungsänderungen wie zusätzliche Qualitätsklassen würden den Druck auf die Silologistiken enorm erhöhen, da die Lagerkapazitäten zur sauberen Trennung häufig nicht mehr ausreichen.
Langfristige Versorgungssicherheit in Gefahr
Die gute Ernte 2025 bringt zwar Luft, löst aber die strukturellen Probleme nicht. Laut Swiss Granum darf der Erfolg nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Klimavarianz zunimmt, politische Einschränkungen weiter verschärft werden und die Anbaubereitschaft sinken könnte, wenn die wirtschaftlichen Risiken zu gross werden.
Das Fazit der Tagung war eindeutig: Die inländische Versorgung kann langfristig nur mit stabilem Einkommen, realistischer Politik und klaren Marktbedürfnissen gesichert werden. Dafür müssen Agrarpolitik, Züchtung, Praxis, Mühlen und Detailhandel künftig enger zusammenarbeiten und dabei machbare Erwartungen formulieren.
Quelle: lid.ch